Berufsorientierung Realschule (BORS)

Seit über 25 Jahren bereiten sich an den baden-württembergischen Realschulen die Schüler der neunten Klassen mit BORS auf ihre Berufswahl vor. Seit dem Inkrafttreten des Bildungsplanes 2004 geschieht dies in Form eines Projektes, das mit einer Projektprüfung abgeschlossen wird. Das bedeutet, die Schüler müssen einerseits  sehr viel Eigeninitiative und Selbstständigkeit zeigen beim Erwerb ihrer Kenntnisse über Berufswahl, Ausbildung und Arbeitswelt– und andererseits ihr so erworbenes Wissen und Können unter Beweis stellen, indem sie den im Praktikum erkundeten Beruf vor einer Prüfungskommission präsentieren und im anschließenden „Dialog“ zeigen, dass sie sich mit dem Thema Berufswahl und den Anforderungen der Arbeitswelt intensiv auseinandergesetzt haben.

Nach wie vor wirken an der Durchführung des Projektes die Schule, die Agentur für Arbeit und die Betriebe mit, die die Praktikumsplätze zur Verfügung stellen.

Die Realschule Durmersheim legt schon seit langem ein großes Gewicht auf diese Unterrichtseinheit. Schon immer wurde von den Schülern verlangt, dass sie selbstständig einen Praktikumsplatz suchen und einen Praktikumsbericht erstellen, in dem sie ihre „Schnupperwoche“ in der Arbeitswelt beschreiben und reflektieren.

Seit dem Schuljahr 2005/2006 arbeitet die Schule verstärkt an der Umsetzung des Projektgedankens. Zunächst wurde ein Lehrerteam gebildet, das die Inhalte des projektbegleitenden Unterrichts festlegte und diesen zu den jeweiligen Projektfenstern übernimmt. Darüber hinaus wurden die Inhalte mit den übrigen am Projekt beteiligten Fächern (EWG, Deutsch, Religion, Ethik, MUM, Technik, Geschichte) thematisch und zeitlich koordiniert.

Berührung mit der Arbeitswelt haben die Schüler an unserer Schule bereits seit der fünften Klasse. Häufig besuchen die jüngsten unserer Schüler im Zusammenhang mit dem Thema „Sonderkulturen in der Oberrheinischen Tiefebene“ die umliegenden Spargel- oder Erdbeerhöfe. Dort erfahren sie bereits einiges über die Arbeitsorganisation und
–abläufe eines landwirtschaftlichen Betriebes. Ebenso werden sie ab Klasse 6 für den „Girl´s oder Boy´s Day“ freigestellt. Im Fach Geschichte werden sie mit der bereits in der Steinzeit beginnenden und immer komplexer werdenden Arbeitsteilung bekannt gemacht. Das Projekt Soziales Engagement (SE) der siebten Klasse bietet erste Einblicke in die Bedeutung und Anforderungen sozialer Berufe. Das Projekt Wirtschaften-Verwalten-Recht (WVR) der Achtklässler hingegen verdeutlicht erste Zusammenhänge wirtschaftlichen Planens und Handelns.

Der eigentliche Projektauftakt für BORS aber liegt gegen  Ende der achten Klasse. In diesem Projektfenster erfahren die Schüler, wie sie nach der ersten Erkundung ihrer beruflichen Interessen und Fähigkeiten einen geeigneten Praktikumsplatz finden können und  wie sie sich für diesen bei den Unternehmen bewerben. Sie üben in Rollenspielen Anfragen an Betriebe und telefonische Bewerbungen ein, sie lernen, wie man eine schriftliche Bewerbung formuliert und gestaltet und welche Informationen der dazugehörige Lebenslauf enthalten muss.

Im zweiten Projektfenster – Anfang der neunten Klasse – lernen sie den Umgang mit dem Berufswahllexikon „Beruf aktuell“, in dem alle Berufe, die in Deutschland ausgebildet werden, eingeordnet in das Berufsfeld, aufgelistet sind, versehen mit Informationen über Zugangsvoraussetzungen, Beschäftigungs- und Zukunftschancen etc. Außerdem werden sie gezielt  auf ihr Praktikum vorbereitet, z. B. durch Informationen über Sicherheitshinweise, Verhalten am Arbeitsplatz und vieles mehr.

Das Betriebspraktikum selbst  wird von den meisten Schülerinnen und Schülern als außerordentlich interessant und spannend erlebt und die Erfahrung, in der Arbeitswelt durchaus bestehen zu können, erfüllt sie mit Stolz und Selbstbewusstsein. Häufig bringt sie auch die Erkenntnis hervor, dass es sich lohnt, zu lernen und sich anzustrengen, weil der Wunschberuf fundierte Kenntnisse und Leistungsbereitschaft erfordert.

Im Unterricht und im Berufsinformationszentrum (BIZ) in Rastatt erfolgt die Auswertung der im Praktikum gesammelten Erfahrungen. Hier  erlernen die Schülerinnen und Schüler auch die Nutzung weiterer Berufswahlmedien, angefangen bei der sog. „Regionalbroschüre“ bis hin zum Internet.

Bevor die Projektprüfung ansteht, folgen noch Betriebsbesichtigungen, ein „Berufsschultag“ und gemeinsame Besuche von Berufsbildungsmessen, wie z.B. „Jobs for Future“ in Mannheim, und in einem der letzten Projektfenster die Vorbereitung auf Bewerbung, Einstellungstests und Bewerbungsgespräch. Letzteres erfolgt meist in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus den Personalabteilungen von Unternehmen.

So gut und umfassend vorbereitet, schaffen die meisten die Projektprüfung mit guten Ergebnissen und fügen stolz ihr Testat über das erfolgreiche Bestehen ihrem Portfolio bei, das sie bei ihrer anstehenden Bewerbung dem Unternehmen vorlegen.